Der Kirchturm

KirchturmDer Kirchturm

Wir gehen davon aus, dass es sich bei der Betzendorfer Kirche mit ihrem wuchtigen Felssteinturm um eine Kirche handelt, die ursprünglich als Wehrkirche gebaut worden ist. Früher nahm man an, dass der Turm zunächst allein militärischen Zwecken diente und sogar in die Zeit Karls des Großen datiert werden könnte. Dies wurde jedoch nicht bestätigt, da viele Kirchen im näheren Umkreis ähnlicher Bauart erst im hohen Mittelalter erbaut worden sind.

In die Wände des Turms sind Öffnungen gebrochen worden, die verschiedenen Zecken dienen: Zu ebener Erde und in etwa 3 m Höhe sind es direkte Zugänge zur Kirche und zur Empore; in etwa 8 m Höhe sind es vier Schallöffnungen, die alle im Lauf der Geschichte unterschiedlich gestaltet worden sind. Die Schallöffnung nach Osten wird heute vom Kirchendach verdeckt. Sie hat eine frühromanische Form.

Wann der Turm ein spitzes Dach erhielt, lässt sich nicht mehr feststellen. Das jetzige Dach hat die Form einer zehnseitigen Pyramide und ist 1965 mit Kupferblechplatten bedeckt worden. Die vorige Bedeckung war 1869 aus englischem Schiefer aufgelegt worden, da das alte Schindeldach nicht mehr erhalten werden konnte. Das Dach aus Eichenschindeln hatte eine runde Form, ähnlich einem runden Zelt – in Erinnerung an das „heilige Zelt“ im alten Israel, in dem die Bundeslade aufbewahrt wurde. Das „heilige Zelt“ war ein Symbol für die Gegenwart Gottes unter den Menschen.

Wir wissen, dass der Turm 1598 einen neuen Dachstuhl erhielt. Auf einem Balken in der Turmspitze ist diese Zahl eingeschnitzt. Außerdem wird die Reparatur des Turmes in demselben Jahr im alten Kirchenrechungsbuch angeführt. 1659 wurde der Dachstuhl mit Balken aus Eichenholz erneuert, die bis heute halten. 1907 schlug ein Blitz in den Turm, der die Uhr zerstörte und anderen Schaden verursachte.

Die Mauer des Kirchturms wird von unten nach oben immer dünner, ohne dass dies von außen sichtbar ist. Entsprechend vergrößert sich der Innenraum. Mauerstärke zu ebener Erde: 2,63 m, in Höhe Orgelempore: 2,05 m, in Höhe Schallöffnung: 1,17 m. Gesamthöhe des Turmes: 24,86 m, davon der Mauerkörper 13,66 m und der Dachstuhl 11,20 m. Vgl. die Skizze zum Turmschema im Anhang.

In den Mauerkörper sind Schießscharten eingelassen, die durch einen Gang - im Volksmund „Geheimgang“ genannt - zu erreichen sind. Die Reste eines GANGES im Mauerkörper führen nach unten, wo sich früher die Grabanlage der Familie von Estorff aus Barnstedt befand. Diese Grabkammer hat der Kirchenvorstand der Familie von Estorff 1859 abgekauft. Dass es sich um einen Eingang zu einem Fluchtweg oder dergl. handelt, ist sehr unwahrscheinlich.

Auf der Turmspitze steht auf einer Weltkugel und unter einem Kreuz eine WETTERFAHNE, die folgende Inschrift trägt: „I H S“ „1659 1907“. Die Wetterfahne stammt aus dem Jahr 1907.

Auf dem Turm hängen ZWEI GLOCKEN. Die kleinere erklingt in G’, wurde 1921 gegossen und hat am unteren Rand einen Durchmesser von 106 cm. Die Inschrift oben unter einem Ornamentkreuz lautet: „+ FRIEDE SEI MIT EUCH + WER AUS DER WAHRHEIT IST, DER HÖRET MEINE STIMME“. Und am unteren Rand mit kleineren Buchstaben: „+ GEGOSSEN VOM J. J. RADLER U. SÖHNE IN HILDESHEIM 1920 +“.

Die größere Glocke wurde 1956 gegossen und erklingt in F’. Ihr Durchmesser am unteren Rand beträgt 110 cm. Ihre Inschriften lauten oben: „HIMMEL UND ERDE WERDEN VERGEHEN + ABER MEINE WORTE WERDEN NICHT VERGEHEN + MATTH + 24/35 +“. Und unten: „IM ERSTEN WELTKRIEG 1917 GEOPFERT + WIEDERERSTANDEN 1920 + IM ZWEITEN WELTKRIEG 1942 GEOPFERT + ZUM DRITTEN MALE NEU ERSTANDEN 1956 +“.

Vorher hingen auf dem Kirchturm zwei Glocken, eine davon aus dem Jahr 1591, die 1920 eingeschmolzen wurde, und eine aus dem Jahr 1789, die 1917 abgeliefert werden musste. Deren Inschriften lauteten: „H o PAGEL o KASTENS o HINRICH o MEIGER o GARBERT o DIREKES o KASTENS o MORINCK o ANNO o 1591 o ANDREAS o HEINECKE o MEFEZIT.“ Und: „GOTT . ALLEIN . DIE . EHRE. E . BECKER – PREDIGER ZU . BETZENDORF . IM . JAHR . ANNO . 1789 . I. C. HAUTSCH . UM . GOSS. MICH.“