Kirchenführer

Unsere Kirche

Kirchturm im FrühjahrAuf den folgenden Seiten finden Sie den Kirchenführer des ehemaligen Betzendorfer Pastors Jürgen Wesenick mit einigen Aktualisierungen und neuen Fotos.

Die evangelisch lutherische Kirche St. Peter und Paul in Betzendorf gehört zu den alten Kirchen im Lüneburgischen. Von ihrer Gründung sind keine Urkunden erhalten. Wir gehen davon aus, dass der Turm zwischen 1200 und 1400 wie in vielen Orten als Flucht- und Wehrturm für die ansässige Bevölkerung errichtet wurde und nicht Teil einer Befestigungsanlage war.

Es ist zu vermuten, dass es in alter Zeit in Betzendorf eine befestigte Hofanlage gegeben hat, die im späten Mittelalter im Verlauf einer der zahlreichen Auseinandersetzungen zwischen den Herzögen der Stadt Lüneburg zerstört worden ist. Gegenüber diesem vermutlich befestigten Adelshof, an den der Name „Barghof“ heute noch erinnert, befand sich die Wehrkirche aus der Zeit des 12. und 13. Jahrhunderts, die den Dorfbewohnern in unruhigen Zeiten Schutz bot. Der Adelshof befand sich im Besitz der Familie von Oedeme, die bis 1341 auch das Kirchenpatronat innehatte.

Betzendorf liegt an der alten Handels- und Heerstraße von Lüneburg bzw. Winsen/Luhe nach Celle, auch „Salzstraße“ oder „Celler Heerstraße“ genannt. Der Name BETZENDORF stammt aus langobardischer oder aus sächsischer Zeit: „Bèzzos Dorf“ oder „Bèto’s Dorf“. Also das Dorf eines Mannes mit diesem Namen. Stein- und Hügelgräber in der Gemeinde Betzendorf und Funde mittelalterlicher Keramik im Zentrum des Ortes im Jahr 1995 sind Beweise für eine frühe Besiedlung des Raumes. Aus langobardischer Zeit um Christi Geburt stammt ein Urnenfriedhof in Drögennindorf. Ausgrabungen des Lüneburger Museums brachten etwa 600 Urnen zutage.

Die Namen der anderen Orte, die zur Kirchengemeinde gehören, bedeuten:

BARNSTEDT: Bardo’s oder Baro’s Stätte (Wohnstätte);
DRÖGENNINDORF: dröge = trocken; nin = neu; das neue trockene Dorf, vor 1859 nur „Nindorf“ genannt ;
GLÜSINGEN: Name für eine Lichtung („Heller Wald“) am Süsingwald oder Name für ein Waldgebiet ;
HILLERSBÜTTEL: seit über 600 Jahren wüstes Dorf; „-büttel“ = Ort mit Haus- und Hofstätten; Hildeward’s Besitz; früher u. a. „Hildersbüttel“ geschrieben.
HOLTORF: Holt = Holz; Dorf im/am Holz = Wald;
HOHENESCH: Gegend mit einer hohen Esche ;
TELLMER: „-tel“ = bebautes Land; „Tèllo“ = Personenname; „mer“ = Gewässer, Meer; also: „Tèllo’s Gewässer“ oder „Siedlung am Gewässer bzw. Teich“.

Barnstedt gehört zur Samtgemeinde Ilmenau, die anderen Orte zur Samtgemeinde Amelinghausen.

Wetterfahne der KircheWann die Kirchengemeinde Betzendorf gegründet worden ist und wer den Bau einer Kirche und später den Bau einer Steinkirche veranlasste und finanzierte, ist nur zu vermuten.

Um das Jahr 1300 war das Dorf Betzendorf einschließlich der Kirche im Besitz der Lüneburger Familie von Oedeme, die Betzendorf und andere Orte in der näheren Umgebung gekauft hatte. Familie von Oedeme schenkte 1341 das PATRONAT über die Kirche in Betzendorf dem Propst und dem Konvent des Klosters Lüne. Nach der Reformation in Lüneburg 1529 übernahm der Landesherr das Patronat.

Der GROSSZEHNTE gehörte seit 1345 dem Kloster Scharnebeck, nachdem er vorher im Besitz der Familien von Schwerin und Grote war. In die Zeit um 1350 fällt der Bau einer Kirche mit einem Flucht- und Wehrturm, die in ihrer Ausdehnung, abgesehen vom Chorraum, mit der heutigen Kirche übereinstimmt. Das Mauerwerk wurde aus Granitfelsen errichtet. Die Nordwand der heutigen Kirche stammt aus jener Zeit. Das Kirchenschiff hatte vermutlich eine gerade Balkendecke mit niedrigem Dach und an der Ostseite - wie damals üblich – eine Altarnische.

Im Turm befindet sich an der Ostseite eine FRÜHROMANISCHE Schallöffnung, deren mittlere Säule aus rohem Gips des „Lüneburger Schildsteins“ hergestellt ist. Diese Schallöffnung wird seit etwa 1450 durch den Bau eines spitzen Dachs verdeckt. Aus dem Jahr 1368 ist die TAUFFÜNTE4, die wohl zur Kirchweihe angeschafft oder gestiftet worden ist. Ebenso das Kruzifix an der Südwand über dem vorderen Eingang.

Die Kirche wurde zwischen 1450 bis 1460 erneuert, wobei die Umfassungswände beibehalten und durch Strebepfeiler verstärkt wurden, um das neu eingezogene Gewölbe zu tragen. Auch wurde ein Chorraum mit fünf Fenstern angebaut und der Turm mit fünf Strebepfeilern verstärkt. Der Meister des Dannenberger Reliefs, Volkmer Klovesten, schuf den ALTARSCHREIN „Krönung der Maria“. Der Künstler des Kruzifixes aus der Zeit um 1360 ist nicht bekannt.

Im Laufe der Jahrhunderte ist die Kirche immer wieder renoviert worden u.a. in 1598, 1639, 1738, 1879-1881, 1928, 1951, 1984 und zuletzt 2002. Dabei wurde das äußere Bild der Kirche 1879 verändert: Zwei Fachwerkanbauten5 an Nord- und Südseite (Sakristei und Leichenhalle) wurden abgerissen, zwei Nordfenster und ein Südfenster eingesetzt, die Empore erweitert, ein Zugang zur Empore durch den Turm und zwei neue Eingänge durch die Südwand gebrochen. Auch wurde eine Orgel eingebaut.

DREI GLASBILDER mit Symbolen der Evangelisten aus den früheren Fenstern der Sakristei sind im vorderen Nordfenster erhalten. Auf einem steht der Name des ersten mit Namen bekannten Lehrers und Küsters Dannenberg in Betzendorf. Die SITZBÄNKE wurden 1881 hergestellt. Damals wurde ein MITTELGANG angelegt. Bänke aus früheren Zeiten (1699) stehen auf der Empore und hinter dem Altar. Die Kirche hat rund 250 Banksitzplätze.

Die PATRONE der Kirche sind Petrus und Paulus. KIIRCHWEIHTAG ist der 14. September, an dem in früheren Jahrhunderten das Fest der Kreuzerhöhung gefeiert wurde. Dieses Fest wird in der evangelischen Kirche nicht mehr gefeiert. Die KIRCHENBÜCHER beginnen 1663.